Denken

Denken ist eine Grundfähigkeit des Menschen. Niemand bringt einem Kind extra das Denken bei – oder gar zunächst Gesetzmäßigkeiten des Denkens bzw. der Logik. Das Denken versucht, die wahrgenommenen Sinneseindrücke bzw. wahrgenommenen Phänomene in ihren wirklichkeitsgemäßen und logischen Zusammenhängen bzw. Zuordnungen zu erfassen. Das geschieht ständig und automatisch, auch dann, wenn wir nicht über etwas Bestimmtes nachdenken wollen. Das ist die Grundfunktion von Denkfähigkeit, auch bereits vorsprachlich beim Kleinkind und, damit vergleichbar, auch in den Hirnprozessen lernfähiger Tiere.

Unsere menschliche Denkfähigkeit soll hier nur in einer zusammenfassenden Skizze dargestellt werden. Für ein genaueres Verständnis sind die ca. 15 Seiten im Buch (Kap. 3) schon notwendig – kürzer geht’s nicht.

Durch den Umgang des Denkens mit wahrgenommenen Phänomenen entsteht aus zunächst rein sinnlichen Wahrnehmungseindrücken ein Erfahrungsbewusstsein von Zusammenhängen dieser Phänomene. Darauf aufbauend entsteht auch ein Bewusstsein von Gegenständen und dann auch Bewusstsein von Zusammenhängen von Gegenständen mit anderen sinnlichen Wahrnehmungseindrücken.

Diese Verhältnisse und Zusammenhänge der Phänomene können wir als Menschen dann, wenn wir Worte für die Phänomene haben, sprachlich in Aussagen, Urteilen und Sätzen ausdrücken; und wir können mittels unseres Denkens auch weitere Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Wichtig zu sehen und zu verstehen ist aber, dass unser Denken tatsächlich nicht mit unseren Worten umgeht, sondern immer mit den Bedeutungen von Worten. Mit fremden Worten, insbesondere aus uns nicht geläufigen Sprachen, kann es nichts anfangen.  Worte – ebenso wie auch andere Zeichen und Symbole, mit denen wir uns verständigen — haben Bedeutungen, d.h. sie meinen oder bezeichnen in der Regel etwas Konkretes, nämlich das, was sie be–>deuten oder worauf sie hindeuten; sie stehen also als Symbol für das, was damit jeweils gemeint ist.

Worte haben Grund-Bedeutungen, manchmal auch mehrere verschiedene, die innerhalb eines Sprachraumes durch Konvention mehr oder weniger allgemeinverständlich sind; und sie haben oder erhalten ihre aktuelle konkrete und genaue Bedeutung in dem Kontext, in dem wir sie verwenden.

Im Alltag gehen wir mit bekannten Worten und Phänomenen in der Regel mehr oder weniger selbstverständlich, pragmatisch und routiniert um: Wir haben bekannte Namen bzw. Worte für bekannte Phänomene, Dinge, Geschehnisse usw., und wir gehen mit ihnen in ihren funktionalen Verhältnissen um, oder auch in subtilerer Weise, je nachdem, in welchen Zusammenhängen sie sich befinden, was wir mit ihnen anfangen wollen, was wir anderen sprachlich-inhaltlich vermitteln wollen.

Bekannt“ heißt , dass wir irgendwann zuvor schon Erfahrung mit den Dingen und Phänomenen gewonnen haben, sodass die entsprechenden Worte für uns mit entsprechenden Bedeutungen gefüllt sind, nämlich mit Erfahrung und Wissen von den Phänomenen und Geschehnissen, die uns – insbesondere als kleine Kinder – anfangs doch immer völlig neu, unbekannt, oft rätselhaft und unverständlich waren.

‘Hinter‘ unseren Worten stehen als jeweilige Bedeutung immer unsere Begriffe von den Dingen und Phänomenen, d.h. immer unser jeweiliges persönliches Verständnis von den Dingen und Phänomenen, die wir mit unseren Worten meinen bzw. bezeichnen.

Wichtig ist hier nun, die Natur des Begriffs genau zu verstehen, und zwar in einem zunächst ganz allgemeinen und grundlegenden Sinne, d.h. nicht im Sinne von bereits festgelegten, vereinbarten oder definierten Fachbegriffen:

Der Begriff eines Phänomens ist jeweils die quasi aufsummierte und kondensierte persönliche Erfahrung aus mannigfaltigen Wahrnehmungen, praktischer Erfahrung und dem gewonnenen Wissen aus unserem Umgang mit dem jeweiligen Phänomen. Und unser Denken geht immer mit diesen persönlichen Begriffen von den Phänomenen um, d. h. mit der stets subjektiven persönlichen Auffassung und dem persönlichen Verständnis der Phänomene.

Wenn wir sprechen oder schreiben, so legen wir gewöhnlich als Bedeutung unsere jeweiligen eigenen persönlichen Begriffe in die Worte, die wir verwenden. Wenn wir aber Worte hören oder lesen, so will uns der Autor damit etwas sagen. Soll Verständigung gelingen, so sind wir aufgefordert, die persönlichen Begriffe des Autors hinter seinen Worten zu erfassen, damit wir verstehen, was er uns sagen will. (Wenn wir stattdessen eigene Vorstellungen und Assoziationen in seine Worte hineinlegen, verpassen wir evtl. die eigentliche Bedeutung seiner Aussage.)

Der persönliche Begriff von einem Phänomen ist der jeweilige subjektive Stand der Erfahrung und der mehr oder weniger zutreffenden Erkenntnis von einem Phänomen, und zwar so bzw. so weit, wie eben die Erfahrung mit ihm und ein Wissen von ihm vorhanden ist, d. h. so gut und soweit man es – eben – begriffen hat oder begreifen kann; inbegriffen sind auch unmittelbar zugehörige Schlussfolgerungen, die daraus gezogen wurden.

Das Denken – wie auch das zerebrale Geschehen in den Hirnprozessen der lernfähigen Tierwelt – geht immer genau mit diesen persönlichen Begriffen um gemäß dem persönlichen Verständnis von den Phänomenen.

Im vorsprachlichen Erfahrungsbewusstsein der Tierwelt haben die Begriffe immer die Qualität von auto-relationalen Begriffen, d. h. es sind selbstbezogene Begriffe insofern, als sie jeweils eine den eigenen Interessen und Nutzen dienende Auffassung und Interpretation der wahrgenommenen Dinge und Phänomene sind.

Wir Menschen können genauere Vorstellungen, Wissen und Erkenntnisse von den Dingen und Phänomenen dieser Welt gewinnen. Unsere persönlichen Begriffe sind dabei zum jeweiligen Zeitpunkt immer so, wie sie aus unseren bisherigen Wahrnehmungen vom Phänomen selbst entstanden sind, ergänzt durch sonstige Informationen zum Phänomen und Schlussfolgerungen aus darauf aufbauenden Denkprozessen.

Dieser Prozess wird in der Philosophie Begriffsbildung genannt; sie geschieht letztlich allein durch den Umgang des Denkens mit unserer Auffassung der von uns wahrgenommenen Phänomene aller Art. Und insofern sind Worte und Aussagen, die wir hören oder lesen und persönlich auffassen bzw. interpretieren, natürlich auch wahrgenommene Phänomene.

Im Buch wird in Kapitel 5 der Prozess der #Begriffsbildung genau und ausführlich beschrieben; hier nur so viel: Eine Klassifikation der Qualität bzw. Tiefe unserer Begriffe wurde gefunden und wird vorgestellt, nämlich mit einer von Stufe zu Stufe immer tieferen und genaueren Qualität des Verständnisses und der Erkenntnis der Phänomene – ausgehend vom zunächst relativen Begriff über den individuellen Begriff bis hin zum wirklichkeitsgemäßen Begriff, der letztlich im Einklang ist mit der Bedeutung, dem Sinn und dem Wesen des Phänomens selbst, d.h. im Einklang mit der wahren Natur des Phänomens.

Ausblick: In wirklichkeitsgemäßen Begriffen liegt uns von den Phänomenen der Welt ein Wissen in seiner höchsten Qualität vor, wahres Wissen. Dieses Wissen kann erfahren werden durch ein verstehendes Miterleben mit dem Wesen bzw. der wahren Natur des jeweiligen Phänomens selbst, das man erforscht und kennenlernen will. Und eigentlich dann erst können wir im engeren Sinne von Erkenntnis sprechen.

Siehe auch #Begriffsbildung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.