Begriffsbildung

Erkenntnis gewinnen durch Begriffsbildung

Erkenntnis von den Dingen und Geschehnissen zu gewinnen, das ist immer ein mehr oder weniger langer Lern- und Erfahrungsprozess, und zwar indem wir Begriffe von ihnen bilden. Dies ist im Grunde schon ein ganz natürlicher Vorgang, der anfangs immer von unserer Wahrnehmung ausgeht und dann von unserem Denken gesteuert wird. Also gar nichts Esoterisches oder Weltfremdes. Das Buch zeigt auf, wie schon kleine Kinder, ja auch die Tiere die Dinge und Phänomene in ihrer Umwelt mit ihren Sinnen wahrnehmen, und wie immer ganz automatisch das Denken bzw. das zerebrale Geschehen mit diesen Wahrnehmungen umgeht und aus ihnen Erfahrung entstehen lässt.

Dabei entsteht eine Kenntnis der Dinge in der Welt, und zwar in einem ersten Schritt immer in Form von persönlichen Begriffen von den Dingen. Der persönliche Begriff von einem Fisch zum Beispiel ist das, was ein Kind als erstes von einem Fisch begriffen hat: ein Tier, das im Wasser schwimmt, Flossen hat, ein Maul, Augen usw. Es lebt im Teich im Stadtpark und ist schwer zu sehen. Man kann es angeln; und auch der Belag der Pizza Tonno war einmal ein großer, starker Fisch im Meer.

Auch eine Libelle hat ihren persönlichen Begriff von einem Fisch: ein großes dunkles Etwas, das ganz plötzlich aus dem Wasser kommen kann, Schreck und Angst auslöst, lebensgefährlich ist; deswegen muss sie immer möglichst gut aufpassen.

Damit wir Menschen unsere persönlichen Begriffe verallgemeinern können zu Begriffen, die den Wesenskern eines Dinges, z. B. von Fischen, erfassen, dafür sind viele weitere Wahrnehmungen und Denkschritte erforderlich: z.B. Tierfilme zu sehen über große und kleine Fische im Meer, dass sie im Meer Schwärme bilden, dass Forellen und Äschen in sauberen Bächen mit felsigen Ufern vorkommen, usw. Vielleicht auch Fische im Aquarium zu halten, um sie genauer kennenzulernen und zu erleben. So kann uns ein Mitgefühl mit dem Leben dieser Tiere möglich werden. Oft eignet man sich beim Lernen aber auch Irrtümer und Vorurteile über die Dinge an, die sich erst später als falsch herausstellen und die man nur mühsam wieder los wird. Wir haben also oft nur mehr oder weniger stimmige bzw. zutreffende Vorstellungen von den Dingen – im Buch werden sie „relative Begriffe“ genannt, aus denen schrittweise, zum Beispiel durch Ausscheiden von Vorurteilen, „individuelle Begriffe“ werden.

Durch Begriffsbildung wächst unser Verständnis der jeweiligen Phänomene, Situationen und Zusammenhänge, usw. Es nähert und gleicht sich der Realität immer mehr an, bis hin zu „wirklichkeitsgemäßen Begriffen“. Das ist der Erkenntnisprozess, er wird im Buch mit der phänomenologischen Methode beschrieben: Diese versucht, sich dabei möglichst frei zu halten von vorgegebenen Theorien und Glaubenssätzen über die Dinge. Sie geht stets von den wahrgenommenen Phänomenen aus, so wie wir diese selbst beobachten können, und versucht, sie so genau wie möglich zu beschreiben. Diese Methode hat der Philosoph Edmund Husserl um 1900 begründet.

Der Autor lässt in diesem Buch Philosophie und einzelne Aspekte aus therapeutischer und spiritueller Erfahrung zu einer erfahrbaren Philosophie der Erkenntnis zusammenfließen. Dabei wird auch ihr Wahrheitspotential sichtbar. Und dieses hat interessanterweise eine implizite soziale und ethische Dimension, nämlich durch unsere menschliche Bewusstseinsmöglichkeit eines #verstehenden Miterlebens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.